Beiträge vom März, 2011

Die Entschlüsselung der Sprache des Liuhe Bafa

Sonntag, 20. März 2011 23:46

Bild 14: "Der grüne Drachen streckt seine Klauen aus"

Kim Goldberg ist eine mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnete Dichterin, Journalistin und Autorin von 6 Büchern. Ihre Sammlung von 66 Gedichten über Liuhe Bafa “Ride Backwards on Dragon” war Finalist für den kanadischen “Lampert Memorial Award der Dichtkunst” und wurde von mir schon hier besprochen. In diesem Buch entschlüsselt Kim im Anhang die daoistische metaphysische Symbolik für jeden der 66 Namen der Liuhe Bafa-Bilder. Sie lebt in Nanaimo, Britisch-Kolumbien (Kanada) und studiert Liuhe Bafa und andere daoistische innere Künste seit 1997.

Ich stehe mit Kim in losem E-Mail-Kontakt und angelegentlich ihres neuen Liuhe Bafa-Blogs und ihres dort geposteten, sehr persönlichen Artikels “Decoding the Language of Liuhebafa” bat ich sie um die Erlaubnis, diesen für Euch zu übersetzen und hier veröffentlichen zu dürfen – das Ergebnis findet Ihr unten. Anmerkungen von mir sind in [...] gesetzt, das Original sowie viele andere interessante Beiträge könnt Ihr in ihrem Blog nachlesen.

Die Entschlüsselung der Sprache des Liuhe Bafa

von Kim Goldberg

(zuerst veröffentlicht im Journal of Martial Arts & Healing, Herbst 2007)

[Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Autorin, die mir auch die beiden Bilder zur Verfügung stellte]

Von allen chinesischen inneren [Kampf-]Künsten ist Liuhe Bafa nicht nur die letzte, die das westliche Publikum erreichte, sondern sehr wahrscheinlich auch die älteste. Sie ist darüber hinaus auch diejenige, die mit daoistischer metaphysischer Symbolik am stärksten verschlüsselt ist, um dadurch die begehrten alten Anweisungen für innere Alchemie und Unsterblichkeit zu schützen.

Vielleicht war es dieses Versprechen der Unzerstörbarkeit, welches mich anspornte, Liuhe Bafa noch vor anderen inneren Stilen zu verfolgen, als ich 1997 mit dem Studium der Form begann. Oder vielleicht konnte ich als Schriftstellerin der Herausforderung, die geheime Sprache der Symbole, die sich vor mir auftat, zu entschlüsseln, nicht widerstehen. Was auch immer der Grund meiner Faszination war, meine Begegnung mit dem Liuhe Bafa veränderte meinen Weg für immer.

Liuhe Bafa (wörtlich “sechs Kombinationen, acht Methoden”) ist eine innere Kampfkunst und daoistische Praktik, welche in das China des 10. Jahrhunderts datiert wird. Der Schöpfer dieses Stils war der daoistische Philosoph und Mathematiker Chen Hsi I (auch als Chen Po und Chen Tuan bekannt), der angeblich 871 bis 989 n.Chr. lebte. In seiner abgelegenen Einsiedelei auf dem Berg Hwa in Nord-Zentral-China entwickelte er die Grundsätze und Praxis des Liuhe Bafa, allerdings sind die daoistische Konzepte und symbolische Sprache der inneren Alchemie viel älter.

Heutzutage führt eine Google-Suche zu einer kleinen, aber wachsenden Zahl von Liuhe Bafa-Workshops und -Lehrern in Nordamerika, Europa und anderswo (aber es sind immer noch bedeutend weniger als bei den bekannteren inneren Künsten Taijiquan, Baguazhang und Xingyiquan). Denn diese Arkandisziplin wurde für ein Jahrtausend geheim gehalten und nur an wenige weltabgeschiedene Eingeweihte weitergegeben, verschleiert mit einer bildgewaltigen Sprache der Metaphern von Wildgänsen und Tigern, Sonne und Wolken, Fabelwesen und bescheidenen Landarbeitern – eine Sprache, die, einmal entschlüsselt, zu einem Plan wird, wie man sein Leben führen und seine inneren Energien transformieren kann.

Die Hauptform des Liuhe Bafa besteht aus 66 Bildern und sieht für den Nichteingeweihten aus wie eine komplizierte, verdrehte Taijiquan-Form. (Danach fragen mich normalerweise die Passanten tatsächlich, wenn ich meine täglichen Übungen im Park am Meer in der Nähe meines Hauses mache.)

Anscheinend bieten uns die die alten Namen der 66 Bilder die Formel für die innere Alchemie. In der daoistischen Praxis führt innere Alchemie zu energetischen Veränderungen im Körper, erreicht durch körperliche und geistige Kultivierung durch das Üben der inneren Künste wie Liuhe Bafa, Taijiquan, Qigong sowie andere. Nach der daoistische Theorie führen diese Transformationen letztlich zur Reinigung und Wiedervereinigung unserer inneren Energien (im Grunde eine Konsolidierung der Yin/Yang-Anteile des Selbst). Theoretisch versetzt uns diese Transformation zurück in unseren ursprünglichen Zustand und bereitet uns vor für die Wiedervereinigung mit dem Makrokosmos – ein Zustand, der als Unsterblichkeit gedacht werden kann.

In meiner eigenen Praxis bin ich daran interessiert, diese Grundsätze der energetischen Umwandlung auf mein tägliches Leben und meine persönliche Entwicklung anzuwenden. Für mich wurde das Studium des Liuhe Bafa-”Codes” zu einem machtvollen Werkzeug der Steigerung meines Selbstbewußtseins, der Kanalisierung meiner kreativen Energien und bringt für mein Leben und Handeln einen stärkeren Zusammenhang.

Zum Beispiel verweist das Eröffnungsbild – “Den Wagen anhalten und nach dem Weg fragen” – auf die in mikrokosmischem Orbit (oft als Wasserrad oder Wasserkarren dargestellt) zirkulierenden Wasser [Essenzen] des Lebens (“Jing”) in uns. Das Bild ist eine Ermahnung, diese innere Umlaufbahn in die verjüngende Richtung (unsere erschaffende Energie soll über den Rücken unseres Körpers aufwärts und über die Vorderseite nach unten gesandt werden) ausgerichtet zu halten anstatt sie versickern zu lassen. Im Wesentlichen fordert dieses erste Bild uns auf, die Wahl zu treffen zwischen zwei Wegen – Leben und Gesundheit oder Tod und Verfall. Wenn wir bereit sind, den ersten Weg zu wählen, fahren wir fort mit der Form.

Aber die eigentliche Botschaft dieses Bildes ist die der persönlichen Verantwortung – ein Thema von zentraler Bedeutung für die Philosophie des Liuhe Bafa (und tatsächlich auch für den Daoismus selbst). Dieser erste Schritt sagt uns: Wir sind verantwortlich für unser Leben – wir haben die Macht zu wählen. Und das nicht nur jedesmal zum Beginn ein jeder Übungseinheit, sondern den ganzen Tag hindurch wenn wir versuchen, als mündige Wesen das Leben im Zusammenhang zu leben. Ich benutze dieses Bild als eine Ermahnung, daß ich ständig wachsam sein, mich immer wieder selbst fragen muß: Auf welchem Weg bin ich in diesem Augenblick mit dieser Aktion, diesem Wort, diesem Gedanken? Auf dem Weg des Lebens und der Gesundheit? Oder dem des Todes und des Verfalls?

Im Bild 6 – “Ersetze Stern durch den Polarstern” ["Pflücke die Sterne und ordne sie neu" - Kim benutzt gelegentlich andere Interpretationen der Bildnamen] – geht es um die Kultivierung der Stille. Der Polarstern hält eine herausragende Position in der daoistischen Kosmologie sowie der inneren Alchemie. Im Makrokosmos (Natur) stellt er die zugrunde liegenden Wirklichkeit (das Dao) dar, weil er stationär am Himmel steht, während alle anderen Sterne um ihn herum kreisen, was die zeitliche und schwankende Natur der materiellen Existenz repräsentiert. Im Mikrokosmos (inneres Universum) stellt der Polarstern unser ursprüngliches Selbst dar. Wenn wir also Stern durch Polarstern ersetzen, ersetzen wir die schwindelerregende und chaotische Wanderschaft unseres Geistes durch ein Leben mit einem festen zentralen Drehpunkt, um die Einheit unseres Seins wieder herzustellen.

Für mich enhält dieses Bild eine Lektion über den Blick nach innen, nicht außen, nach Antworten – zu erkennen, daß ich bereits besitze, was ich brauche. Dieses Bild läßt mich immer an das Zen-Sprichwort: “Triffst du den Buddha unterwegs, schlage ihn tot” denken, was nicht im wörtlichen Sinne als Mord zu verstehen ist, sondern als Abkehr von äußerlichen Werten und Autoritätssystemen, um eine tiefere und authentischere Wahrheit zu entdecken.

Bild 13 – “Lärme im Osten, schlage im Westen” [Im Osten Lärm machen, im Westen angreifen"] – ist ein gutes Beispiel der vielen Ebenen, auf denen die kodierte Sprache des Liuhe Bafa wirkt. Auf der Ebene des Kampfes handelt dieses Bild von Irreführung und Täuschung deines Gegners – täusche eine Richtung vor, dann schwinge herum um ihn auf der anderen Seite zu schlagen. In Bezug auf die innere Energetik verweist es auf die Bewegung der Lebensenergie im Körper von Osten nach Westen, um durch Verschmelzung der beiden Hälften (Yin und Yang) Einheit in unser Leben zu bringen. Diese inneren Winde der Energie sind aufgewühlt und in Bewegung gesetzt durch eine physische Zickzack-Bewegung der Wirbelsäule, wenn die ausgestreckten Arme von links nach rechts schwingen.

Diese Übereinstimmung zwischen äußerer körperlicher Bewegung und ihre Auswirkung auf die innere Landschaft mit den metaphysischen Folgen setzt sich überall durch das Liuhe Bafa fort. Auf einer Ebene erlernen wir eine Kampfkunst (tatsächlich enthält jedes der 66 Bilder mehrere verheerende Kampfanwendungen). Auf einer weniger sichtbaren Ebene sind wir durch den Gebrauch einer vorgeschriebenen Folge von äußeren Bewegungen in der Lage, das Innere des Körpers für eine bessere Gesundheit, Blutfluß, Organmassage und Muskel-/Skelett-Ausrichtung physisch zu beeinflussen. Auf einer dritten Ebene zeigen uns die Anweisungen, verborgen in den alten Namen, wie man sein Leben selbstbestimmt führen kann. Und auf der innersten, geheimsten Ebene wird das gesamte Paket an körperlicher Bewegung plus symbolischer Bedeutung zu einer Rezeptur für innere Alchemie und persönlicher Transformation.

Wie Sie sehen können, ist dies weit mehr als Fantasterei! Meine eigenen Fortschritte bei der Vereinheitlichung, Kanalisierung und Transmutation der Energien in meinem Leben wären nichts, gar nichts gewesen, wenn mein Studium des Liuhe Bafa Symbol-Codes nicht durch die tägliche Praxis der Form begleitet worden wäre. Ich behaupte nicht, es zu verstehen, aber das Zusammenspiel von Kopf-Lernen und Körper-Lernen scheint unabdingbar zu sein, um einen echten Durchbruch von Einsicht und Fähigkeit in einer dieser inneren Künste zu machen. Weder das Üben der Form allein reicht dazu aus, noch ein rein theoretisch-intellektueller Ansatz.

Wie hat Liuhe Bafa mein Leben verändert? Die esoterischen und energetischen Veränderungen sind schwer zu beschreiben, außer daß ich sagen kann, daß ich jetzt das Gefühl habe, mich in der Mitte eines mächtigen Flusses zu bewegen anstatt gegen die felsige Küste zu schmettern oder festzusitzen in stehenden, toten Gewässern. Die Veränderungen meiner Karriere jedoch sind einfacher zu schildern.

Als ich 1997 anfing, Liuhe Bafa zu erlernen, war ich schon zwanzig Jahre lang als politische Journalistin und Sachbuch-Autorin tätig. Kurz nachdem ich mein Studium der Form begann, versiegten die Worte. Zumindest die alten Worte. Ich war nicht mehr in der Lage, ein investigatives Exposé über einen unehrlichen Politiker oder eine umweltschädigende Firma zu schreiben, selbst wenn mein Leben davon abhinge. Jahre vergingen und immer noch brachte ich kein Wort zu Papier. Verwirrung verwandelt sich erst in Angst und danach in Verzweiflung, als ich zunächst meine Ersparnisse aufbrauchte, mir dann meine Altersvorsorge auszahlen ließ und schließlich begann, auf Kredit zu leben. Etwas in mir verschob sich, etwas wurde in Bewegung gesetzt während dieser holprigen Reise durch das Liuhe Bafa. Etwas außerhalb meiner Kontrolle.

Dann kam der Tag, als ich einfach los ließ … nämlich von der Angst. Ich hörte auf über Geld und meine Zukunft nachzudenken. Das war der Moment, als meine Reise ins Ungewisse zum Abenteuer wurde – und wahrlich ein aufregendes! Ich wurde süchtig nach Entdeckungen. Ich konnte es jede Nacht kaum erwarten einzuschlafen, begierig nach den Enthüllungen des neuen Tages.

Als die Worte endlich zurückkehrten, kamen sie als Gedichte. Und Poesie ist weiterhin die bevorzugte Form, in der ich heutzutage schreibe und veröffentliche. Seit meinem “Wieder-Erwachen” habe ich erfolgreich Zuschüsse von Kunst-Gremien gewonnen, um mich in meiner neuen kreativen Beschäftigung aufrecht zu erhalten. Ich nehme dies als weiteren Beweis, daß ich jetzt, wie Bild 17 uns anleitet, “das Boot mit der Strömung schiebe”.

Hat die fremdartige innere Landschaft des Liuhe Bafa mein Bewußtsein nach ihrer eigenen geheimnisvollen Topographie neu geordnet? Führt die Umwandlung des Körpers automatisch zu einer Transformation des Geistes? Könnte es sein, daß Liuhe Bafa, so voller Metaphern, die physische Entsprechung der Poesie ist? Oder haben meine ständig hinzukommenden Entdeckungen mich herausgestoßen aus dem Newtonschen Paradigma der Sicherheit hinein in ein Quanten-Paradigma der fließenden Realität? Und ist das der Unterschied zwischen Sachbüchern und Lyrik – eine Sprache der Antworten im Vergleich zu einer Sprache der Fragen?

Ich lasse Sie entscheiden. Aber seien Sie nicht überrascht, wenn ich für die Antwort nicht verfügbar bin. Denn ich bin fließendes Wasser, halte niemals an.

Bild 61: "Das Rhinozeros betrachtet den Mond"

Copyright des Originalartikels: © Kim Goldberg, 2007-2011
Alle Rechte vorbehalten. Die beiden geposteten Bilder sind Eigentum der Autorin.
Für die Erlaubnis zu weiteren Veröffentlichungen kontaktieren Sie bitte die Autorin Kim Goldberg unter <goldberg[at]ncf.ca>.

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Unsere Eindrücke vom 11. Internationalen Push Hands Treffen

Samstag, 5. März 2011 21:16

Vom 19. bis einschl. 27. Februar 2011 rief Nils Klug, Urheber und ständiger Ausrichter des nicht nur in einschlägigen Taijiquan-Kreisen mittlerweile schon berühmten Internationalen Push Hands Treffen, zum 11. Male nach Hannover – und diesmal war die Ying Men Schule, neben meiner Wenigkeit, mit 7 weiteren TeilnehmerInnen erfreulich zahlreich vertreten.

An dieser Stelle nun möchten wir Euch an unseren ganz persönlichen Eindrücken und Erfahrungen teilhaben lassen, vielleicht auch, um Euch ein wenig neugierig zu machen – denn das nächste Treffen (nach dem PH-Treffen ist vor dem PH-Treffen) ist für 2012 schon in Planung und man darf gespannt sein …

Aber zunächst zum besseren Verständnis eine kleine Rückschau vom Verfasser: Im Februar 2008 besuchte ich zum ersten Male das Treffen und war sehr angetan von der freundlichen und engagierten Atmosphäre unter den TeilnehmerInnen sowie der Fülle an hochinteressanten Seminarangeboten mit (inter)nationalen Top-Referenten – man kann, egal auf welchem Level man steht, immer noch dazulernen. Im Jahr drauf hatte ich die Ehre und das Vergnügen, selber dort als Referent unterrichten zu dürfen, im letzten Jahr war ich “nur” als Besucher dort und nun wurde ich zum zweiten Male als Referent eingeladen, worauf ich sehr stolz bin.

Es war einfach ein wirklich gutes Gefühl, “alten” Freunden wieder einmal zu begegnen (bei der Gelegenheit – schöne Grüße von Giles!), aber auch ganz neue Bekanntschaften zu machen, sich mit den Co-Referenten auszutauschen und mit anderen TeilnehmerInnen zu fachsimpeln. Nils hatte in gewohnter, taijimäßiger Gelassenheit alles souverän im Griff und das Treffen lief entspannt, rund und prima. Es wäre toll, wenn wir von der Ying Men-Familie im kommenden Jahr dort erneut – vielleicht mit noch mehr VertreterInnen – teilnehmen würden.

Doch nun haben unsere Leute das Wort, Ladies first:

Dorothee
Als nicht schwerpunktmäßig Taiji-Trainierende hat mir das Spielen mit den anderen, wie das Tuishou schön und passend auch genannt wird, eine Menge neuer Ideen zu den Themen Bewegung und Körpereinsatz gebracht, und ich bin nach den zwei Tagen sehr angeregt nach Hause gefahren.

In den Workshops leiteten Henk Janssen und Tony Ward Einzel- und Partnerübungen an, die insbesondere durch die fein dosierten Hinweise viel zum Verständnis der Materie beitrugen. Speziell bei Tony Ward hat es gut getan, daß er allen Übungen sehr viel Zeit eingeräumt hat. Die große Teilnehmerschar hat sie entsprechend ausdauernd probiert, was bei der Komplexität des Stoffs auch nötig war. Dabei ging es “nur” darum, aus dem Stand heraus einen Schritt zu tun als Vorbereitung auf eine Form des Tuishou, bei der Schritte erlaubt sind. Das allnachmittägliche freie Üben im 10min.-Rhythmus mit ständig wechselnden Partnern half dann, die gewonnenen Erkenntnisse zu erproben, ohne irgendwelche Muster einzuschleifen: Das Gegenüber war mal groß, mal klein, es war schwer, leicht, Mann, Frau, alt, jung und alles dazwischen; zudem hatten die Partner sehr unterschiedliche Hintergründe und Erfahrungen. Die Atmosphäre war dabei kollegial und ermunternd, man spielte, probierte und teilte sich dann und wann auch die eigenen Erkenntnisse des Augenblicks mit. Welch eine tolle Gelegenheit!

Die netten Gastgeber haben für alles gesorgt und Schulleiter Nils sorgte mit einer nachdrücklichen Einweisung in die Regeln für ein stressfreies Spielen. Die sehr großen Loft-Räume auf dem Gelände, die der Schule zur Verfügung stehen und das schöne Viertel mit diversen Läden und Lokalen sind Rahmenbedingungen, wie man sie sich nur wünschen kann.

Einmal im Thema, hätte ich gern meinen Besuch spontan verlängert … jedenfalls habe ich Lust auf mehr bekommen.

Katharina
Die Entscheidung, dieses Jahr endlich mal zum Push Hands Treffen nach Hannover zu fahren, war gut. Neben vielen netten Leuten (die alle das Gleiche wollten …  ;-) ) konnte man sehr interessante Lehrer treffen und bereichernde Erfahrungen über das Training und über sich selbst sammeln.

Die Schule von Nils Klug ist schon mal für sich sehr einladend und groß. Es gab einen netten Service (allzeit Kaffe, Tee und Wasser – und einen großen Korb Äpfel) und die Führung durch diese zwei Tage war vorbildlich. Vormittags gab es immer ein spezielles Training bei einem bestimmten Lehrer (es standen jeweils drei zur Auswahl) und ich hatte das Vergnügen, zwei tolle und dabei sehr unterschiedliche Lehrer kennenzulernen. Am Nachmittag hatte man Gelegenheit, mit allen anderen “Schülern” und Lehrern freies Push Hands zu üben. Sehr spannend.

Meine persönliche Erfahrung kann ich kurz so beschreiben: Am ersten Tag war die Überraschung groß zu erfahren, was mein Körper (und der Rest) so alles noch drauf haben. Am zweiten Tag war ich neben so vieler neuer Eindrücke (im wahrsten Sinne des Wortes) stärker mit meinen “Unfähigkeiten” beschäftigt und damit, diese in neues Lernpotential zu verwandeln. Es gäbe noch Vieles mehr zu berichten, aber wirklich erfahren kann man es nur vor Ort.

Ich kann alle Interessierten (egal welcher Stand im Lernen) nur ermutigen, diese Gelegenheit einmal für sich zu nutzen.

Magdalena
Es war sehr neu für mich an einem Seminar dieser Art teilzunehmen, trotzdem war dieser Ausstausch für einen Anfänger zum Vorteil. Interessant war die Stile der anderen kennen zu lernen, wie auch Ihre allgemeine Herangehensweise zur Kampfkunst. Die Offenheit und der Austausch bzw. die Tips der Trainer und der Teilnehmer kam mir zugute, da jeder anders trainiert und an die Dinge heran geht. Das vietnamesische Restaurant war auch ein super Tip von euch, dort sind wir immer zum Essen hingegangen und waren total begeistert. Das Fazit vom Wochenende lautet, daß wir schon fürs nächste Jahr planen hinzufahren!

Sabine K.
Wir waren leider nur für kurze 2 Tage beim Seminar (am ersten Tag kamen wir etwas spät an). Wir wurden von den anderen Teilnehmern sehr freundlich aufgenommen und “unterwiesen”, selbst das Schlafen in der Halle war ganz lustig, wenn auch anstrengend.

Wir haben diesmal lediglich das Kalligraphieseminar von Wang Ning besucht, was unbedingt empfehlenswert ist. Nicht nur, daß Wang Ning alles unnachahmlich witzig (dabei aber auch streng) herüberbrachte – er öffnete auch die Augen für völlig neue Sachzusammenhänge. Von beiden Seminartagen waren alle begeistert.

Das freie Push-Hands war eine gute Erfahrung und entgegen meinen Befürchtungen ist man sehr schnell in der Materie. Das wechseln der Partner in 10-Minuten-Intervallen fand ich absolut toll, weil man sich immer wieder neuen Situationen stellen muß und die verschiedensten Trainingspartner findet.

Jetzt bin ich sogar ganz froh, daß wir zur Gala nebst Abschiedsfete angereist sind. So hatten wir eine gute Möglichkeit, die anderen Teilnehmer besser kennenzulernen und uns einen Überblick über die verschiedenen Stile zu schaffen, die sie praktizieren. Es waren sehr viele Lehrer/Dozenten unter den Teilnehmern, die zur Gala auch verschiedene Formen liefen. Außerdem war das Buffet wirklich reichhaltig und lecker (es soll das beste Essen in der Geschichte des Push-Hands-Treffen gewesen sein)!!!

Daniel, Magda und ich haben bereits beschlossen im nächsten Jahr erneut teilzunehmen. Ich denke, die vielen “Wiederholungstäter” sprechen für sich …

Barbara
Nachdem ich mich in den letzten Jahren mit Berichten, Fotos und Videos vom Push-Hands-Treffen begnügen mußte, hatte ich dieses Jahr endlich die Gelegenheit, selbst dabei zu sein.

Besonders neugierig war ich auf das, was mich in den Workshops an den Vormittagen erwartete. Ich habe also im Laufe der Tage am Unterricht von Tony Ward, Nabil Ranné, Judith van Drooge und Nicolas Julien teilgenommen. Bei allen vieren war es sehr spannend. Man konnte Neues lernen, aber auch Bekanntes mal von einer anderen Seite betrachten und ab und zu war man einfach überrascht von den Erfahrungen, die man machte. Es war deutlich zu spüren, daß die Referenten ihre Kampfkunst “mit Leib und Seele” betreiben und unterrichten. Schade, daß man sich jeden Tag für einen Workshop entscheiden mußte. Am liebsten hätte man sich geteilt und an allen gleichzeitig teilgenommen.

Das freie Pushen an den Nachmittagen war für mich eine völlig neue Erfahrung. Dank der Einführung für die Anfänger, die jeden Tag von einem der Referenten angeboten wurde, war der Einstieg aber völlig problemlos. Sehr schnell war man im allgemeinen “Handgemenge” involviert und die Zeit verging rasend schnell. Insgesamt lief das Pushen sehr freundschaftlich und rücksichtsvoll ab, so daß wirklich niemand sich fehl am Platz vorkommen mußte, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener.

Fazit: Ich bin einfach nur begeistert und wünsche mir sehr, daß das Push-Hands-Treffen in Hannover auch weiterhin ein fester Termin im IMA-Jahreskalender bleibt. Ich bin gerne wieder dabei.

Daniel
Erstmal Danke, daß Du mich/uns ermutigt hast dort hinzufahren. Es war wie Du gesagt hast, wir sind sehr nett aufgenommen worden und Sebastian sowie Marc haben sich auch sehr nett um uns gekümmert.

Der Kalligraphiekurs bei Herrn Wang war echt super. Er hat es stark mit der Kampfkunst verbunden, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Alles wurde von ihm sehr schön erklärt, aber gucken und dann nachmachen war angesagt. Ich dachte oft an Dich und Deine Erzählungen zum traditionellen Unterricht: Herr Wang war nämlich sehr nett und lustig, in gewisser Hinsicht aber auch streng. Es war sehr beeindruckend für mich, ihm bei der Kalligraphie zuschauen zu dürfen, denn es war je nach Zeichen ein anderes Gefühl, eine andere Art, die er zum Ausdruck brachte. Es fällt mir schwer es in Worte zu fassen.

Ich habe das auch bei Dir im Training – ich sehe eine spezielle Weise, wie Du eine Bewegung ausführst, es fällt mir dann aber schwer sie zu wiederholen. So war es auch bei Herrn Wang. Man sah sehr deutlich eine bestimmte Bewegung und einen kurzen Moment der Ruhe, eine bestimmte Art den Pinsel auf- und wieder abzusetzen und seine Körperbewegung halt.

Das freie Pushen war auch so, wie Du es beschrieben hast. Wir hatten eine kurze Anfängereinführung bei Hella Ebel und dann ging es ab ins “Wasser”. Aber alle haben Rücksicht genommen, als ich sagte, daß ich Anfänger bin.

Am Samstag war die Gala mit Vorführungen und späterer Party, die ebenfalls sehr schön war, nur das letzte Bier war zu viel :-) . Denn am nächsten Morgen war es teilweise sehr anstrengend bei Herrn Wang und ich glaube, daß das eine oder andere Fettnäpfchen unabsichtlich betreten worden ist. Aber trotzdem ist Herr Wang sehr viel auf Sabine, Magda und mich eingegangen. Beim freien Pushen kam er auch mal zu mir, um mir etwas zu verdeutlichen; er ist ein sehr sympathischer Mensch.

Kurz, wir sind grade nach Hause gekommen und müssen das Erlebte erstmal verarbeiten, aber es war sehr, sehr schön.

Sebastian
Ich bin am Montag nachmittags in Hannover angekommen und hatte so einen recht ruhigen Einstieg ins Thema PH. Habe am ersten Tag nur eine halbe Stunde gepusht, quasi zum warm werden.

Danach ging es erst mal zum Essen. Zweimal am Tag essen ist übrigens ‘ne super Sache, geht leider aber auch sehr auf den Geldbeutel. Abwechslungsreich war es dennoch. Ob türkisch, arabisch, vietnamesisch oder auch mal einen Burger.

Gegen Abend fanden sich dann noch mal ein paar “Verrückte” (mich eingeschlossen), die tatsächlich nach dem ganzen Tag noch ‘ne Runde pushen wollten. So haben wir dann meist jeden Abend der Woche noch ca. eine Stunde geübt und ich habe von vielen Seiten wertvolle Tips erhalten. Ganz besonderen Dank noch mal an Reinhard.

Dann die erste Nacht mit Isomatte und Schlafsack auf dem harten Hallenboden. Recht erholt ist man danach nicht, aber nach dem dritten Tag gewöhnt sich der Körper an den Boden.

Alle Seminare am Vormittag haben mir gut gefallen, besonderen Spaß hatte ich jedoch am Bagua. Aber auch Nathan Menageds Seminar mit seiner gekonnt charmanten Art :D und dem konstanten Einsatz des Yielding und Tingjing sind hängen geblieben.

Das Pushen am Nachmittag gestaltet sich recht abwechslungsreich. Von superweich bis zu manchen, die es wissen wollten, war alles dabei und durch den konstanten Wechsel der Partner alle 10 Minuten konnte man sehr viel Erfahrungen sammeln.

Für mich hat sich die Fahrt nach Hannover sehr gelohnt, denn ich habe viele neue und auch bekannte Ideen fürs Liuhe Bafa hinzu gewonnen.

Hier nun ein paar Schnappschüsse, die Daniel und ich während des Treffens machten – viel Vergnügen!

Wang Ning erläutert Grundlagen der Kalligraphie

 

Erste Versuche ...

Daniel beim Tuishou

Katharina und Henk Janssen beim "Pas de deux"

Eine andere Perspektive ...

Dorothee mit einer netten Tuishou-Partnerin

Barbara "schubst" mit Hamid aus London, ein echter Gentleman. Marc (links) ruht sich derweil etwas aus.

Also dann – soweit es mich betrifft, werde ich im nächsten Jahr auch wieder da sein!

Friedhelm

Privatunterricht und Ausbildungen auf Anfrage – oder haben Sie Interesse an einem Seminar in Ihrer Umgebung? Mailen Sie mich an!

Vormerken für 2011: 3tägiges Liuhe Bafa-Intensivseminar an Pfingsten (11. bis 13. Juni 2011)!

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