Beiträge vom März, 2008

Die 8 (äußeren und inneren) Methoden des Liuhe Bafa

Montag, 24. März 2008 23:56

In dem schon erwähnten Werk des Li Dongfeng, dem “Wu Zi Yue” oder 5-Wörter-Geheimnisse, heißt es in Vers 11 und 12:

11 – Yao Xue Xin Yi Gong
Unverzichtbar [um zu] Erlernen, [die Vereinigung von] Bewußtsein [und] Absicht [zu] Erreichen,

12 – Xian Cong Ba Fa Qi
[ist es] Zuerst [damit zu] Beginnen, [den] Acht Methoden [zu] Folgen
(Umstellung der deutschen Begriffe, um den Sinn zu verdeutlichen, vom Autoren)

Während die 6 Vereinigungen/Harmonien (Liuhe) eine Anleitung zur “inneren”, geistigen oder prinzipiellen Schulung darstellen, so versorgen uns die 8 Methoden (Bafa) mit den nötigen Werkzeugen der “äußeren”, körperlich-praktischen oder strategisch-taktischen, Umsetzung eben dieser Prinzipien. Es wird bei diesen 8 Methoden abermals zwischen 8 äußeren und 8 inneren unterschieden, wobei die verschiedenen Liuhe Bafa-Traditionen diese (wohl aus didaktischen Gründen eingeführte) Differenzierung mitunter nicht so streng sehen und die 8 äußeren und inneren Methoden einfach zusammenfassen.

Ohnehin sollten die 8 Methoden in ihrer Gesamtheit (außen wie innen und alle 8 gemeinsam) praktiziert bzw. angewendet werden, dies erreicht man nach und nach über das regelmäßige Trainieren der Form sowie über weitere spezielle Übungen. Dabei sollte man auch diese 8 Methoden nicht als etwas Künstliches verstehen, sondern als unterschiedliche Aspekte bzw. Qualitäten des “Natürlichen Zustandes”, zu dem es wieder zurückzukehren gilt. Ich möchte noch hinzufügen, daß – meiner derzeitigen Kenntniss entsprechend – die unten aufgeführten Hauptbegriffe in allen Liuhe Bafa-Linien identisch sind, aber z.T. unterschiedlich interpretiert werden; die folgenden Erläuterungen stammen demzufolge aus meiner Linie.

Die 8 äußeren Methoden sind:

1. Qi und Luo (Aufsteigen und Fallen)

Gemeint ist hier sowohl das Liuhe Bafa-typische ständige Wechseln der Höhenniveaus in der Form als auch das – in bestimmten Anwendungen und nicht immer konform mit dem sichtbaren Bild stattfindenden – Steigen und Fallen des Schwerpunktes zur Wirkungsgenerierung sowie nicht zuletzt die spezielle Art der Atmung.

2. Dong und Jing (Bewegung und Ruhe)

Bezieht sich auf das Verhalten in einem Kampf; es geht darum, auf die Aktionen des Gegners nicht zu re-agieren, sondern durch die eigenen indifferenten Bewegungen die Situation zu bestimmen.

3. Jin und Tui (Vorstoßen und Zurückziehen)

Angriff oder Abwehr erfolgt spontan, augenblicklich und unabhängig davon, ob man angreift oder abwehrt, es ist immer die Summe der gesamten zur Verfügung stehenden Potentiale.

4. Kai und He (Öffnen und Schließen)

Durch Öffnen und Schließen der Gelenke, später von Körperregionen und noch später des gesamten Körpers sammelt und entlädt man die Energie. Anfänglich lernt man, beim Öffnen die Wirkkraft zu entladen und beim Schließen wieder zu sammeln, mit fortgeschrittener Praxis aber spielt diese zunächst technisch/didaktisch bedingte Reihenfolge keine Rolle mehr und man öffnet und schließt, sammelt und entlädt situationsgerecht und/oder nach Belieben und unabhängig von jedweder Abfolge.

5 . Yin und Yang (Innen und Außen)

Ab eines bestimmten Fertigkeitsgrades sollten innen und außen, weich und hart etc., kurz, Polaritäten schlechthin, in ihrer Gegensätzlichkeit nicht nur erkenntlich, sondern auch im Moment ihres Wechsels faßbar sein. Dieser kurze Augenblick des Wandels oder des neutralen Zustands (Sai Guk), wo z.B. eine Bewegung (des Gegners) zuende ist, aber die nächste noch nicht begonnen hat, ist so etwas wie ein Tor, durch das man “hindurchgreifen” und mühelos Veränderungen bewirken kann. Darüber hinaus bezieht sich innen und außen aber auch auf die Aufhebung eben dieser Gegensätze oder anhand eines Beispiels anders formuliert, meine Körperoberfläche trennt mich nicht vom umgebenden Raum, sondern verbindet mich damit.

6. Shi und Xu (Voll und Leer)

Hier geht es um die – idealerweise von außen nicht erkennbare – Verteilung des Gewichts bzw. des Schwerpunkts, sei es im Stand oder in der Bewegung. Ein Schritt mag “voll” erscheinen, ist aber leer, eine Hand kann “leer” wirken, ist aber voll.

7. Wa und Qiao (Springen und Überbrücken)

Stellt einen weiteren möglichen und “aktiven” (für gewöhnlich lassen wir einen Angreifer zu uns kommen) Weg dar, ggfs. die Distanz zum Gegner zu verringern und ihn so für uns erreichbar zu machen. Liuhe Bafa verfügt auch über zahlreiche Qinna (= Greifen und Kontrollieren)-Techniken und ist sowohl im Tritt-/Schlagabstand als auch im direkten Nahkampf wirksam. Allerdings sollte man hier den Begriff “Springen” nicht mit einem “in-Richtung-auf-den-Gegner-zu-Hüpfer” verwechseln – es handelt sich dabei vielmehr um eine sehr plötzliche, abrupte Distanzverkürzung und “überbrückt” wird der Abstand zum Angreifer mit den (Unter-)Armen.

8. Liu He (Sechs Vereinigungen)

Diese 6 Vereinigungen sind nicht mit den in einem früheren Kapitel erklärten zu verwechseln, obwohl sie z.T. identisch sind. Ich möchte nochmals daran erinnern, daß die 6 Vereinigungen den abstrakt-prinzipiellen Bereich umfassen, indessen es jetzt um die materiell-körperliche Umsetzung geht. Und auch hier haben wir es mit inneren und äußeren Harmonien zu tun, als da wären:

Die 3 “inneren” Vereinigungen:

1. XIN (Herz/Bewußtsein) vereinigt sich mit YI (Absicht),
2. YI (Absicht) vereinigt sich mit QI (Innere Energie),
3. QI (Innere Energie) vereinigt sich mit LI (Kraft). [Hier ist der erste Unterschied, folgend die weiteren.]

Die 3 “äußeren” Vereinigungen:

4. Schultern vereinigen sich mit den Hüften,
5. Ellbogen vereinigen sich mit den Knien,
6. Hände vereinigen sich mit den Füßen.

Alles muß als Einheit fungieren, es darf keinen Bruch geben.

Die 8 inneren Methoden lauten:

1. Qi (Energie)

Es gilt, durch stetige Praxis das Qi zu erfahren, im (unteren) Dantian zu sammeln und von dort aus zu lenken bzw. mit dem “Yi” (Absicht) zu vereinigen und so im Sinne des Liuhe Bafa anwendbar zu machen. Nach der traditionellen Sichtweise nimmt das untere Dantian (= Zinnoberfeld – es wird von drei Dantian ausgegangen: im Unterbauch, im Brustkorb und im Kopf. Sie gelten als energetische Zentren; in den inneren Kampfkünsten wird das untere Dantian übereinstimmend als das wichtigste angesehen und entspricht von seiner Lage her in etwa auch dem körperlichen Schwerpunkt des Menschen) eine zentrale Rolle als “Sammelpunkt” des Qi ein.

2. Gu (Knochen)

Über die Knochen, Gelenke und die beteiligten Muskeln, Sehnen und Bänder erreicht man durch Übung die Verbindung der Körpersegmente bzw. Gliedmaßen zu einer Einheit und entwickelt so die für die Praxis benötigte Struktur. Außerdem soll sich – nach der klassischen Auffassung – die Wirkkraft “Jin” in den Knochen verborgen ansammeln, u.a. deren Mark reinigen und erneuern und als “Fajin”, als plötzliche, explosionsartige Entladung, im Kampf freigesetzt werden.

3. Xing (Zustand)

Alle Bewegungen sind kontinuierlich, bruchlos und fließend wie Wasser; man selbst ist indessen achtsam und wach, offen und gegenwärtig und man ist nach entsprechender Übung u.a. in der Lage, …

4. Sui (Folgen)

… den Bewegungen eines Angreifers zu “folgen”, an ihnen zu “haften”, dadurch die Absichten des Gegners zu erkennen, ihn zu “überholen” und z.B. seine Kraft aufzulösen oder gezielt in eine andere Richtung zu leiten.

5. Ti (Anheben)

Man stelle sich vor, daß oben am Scheitelpunkt des Kopfes ein Faden befestigt sei, an dem der Mensch “hängt”. Dadurch wird einerseits das Haupt erhoben gehalten während sich gleichzeitig der Schwerpunkt nach unten verlagert, die Wirbelsäule streckt sich, wird aufrecht und “lang”. Das Qi kann in das untere Dantian sinken bzw. ungehindert durch den ganzen Körper zirkulieren; die Bewegungen werden leicht und fest gleichermaßen und können deshalb …

6. Huan (Zurückkehren)

… hin oder her, nach oben oder unten, nach rechts oder links, kurz, in alle beliebigen Richtungen und wieder zurück nahtlos ausgeführt werden. Wir dürfen nicht übersehen, daß üblicherweise zur Ausführung einer Bewegung zur Wahrung der Balance eine Gegenbewegung in die entgegengesetzte Richtung stattfinden muß. Hier geht es zunächst darum, sich dieser Gegensätze bewußt zu werden und mit fortschreitender Fertigkeit die eigene Bewegung aus dem neutralen Punkt dazwischen (eine weitere Nutzung des Sai Guk) zu generieren.

7. Le (Zurückhalten)

Man sollte sich stets, sowohl während des Übens als auch in einer kämpferischen Auseinandersetzung, nicht nur um eine ruhige, entspannte mentale Einstellung bemühen, sondern – mit wachsender Erfahrung darüber hinaus – auch um einen Status der inneren “Stille” oder “Leere”: “Des Dao-Menschen Herz ist kalt wie Eis”. Damit ist beileibe nicht gemeint, daß man zum emotionslosen Alien mutiert, sondern nur, daß man einerseits auch auf dieser Ebene nicht mehr angreifbar ist und andererseits in diesem Zustand der Stille ungebunden an Erwartungen, Meinungen und Spekulationen mit den gegnerischen Angriffen umgeht und zur rechten Zeit das Richtige tut.

8. Fu (Verbergen)

Auf die Bewegungen der Form bezogen sind die Anwendungen verborgen, ein Beobachter oder Gegner kommt, was die wirkliche Bedeutung betrifft, zu falschen Schlüssen. Außerdem verbirgt der Liuhe Bafa-Praktiker im Kampf seine Absicht, seine Stärke und seine Fähigkeiten, sie sind nicht erkennbar. Wenn er handelt, dann überraschend, seine tatsächlichen Bewegungen sind “unsichtbar” für den Angreifer.

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Erfahrungen der SchülerInnen mit Liuhe Bafa

Sonntag, 9. März 2008 21:42

Dorothee, 47 Jahre, Videodesignerin und Lehramtsanwärterin:

Nach einigen Jahren der Beschäftigung mit den sogenannten “inneren” chinesischen Kampfkünsten (Neijia) scheint mir Liuhe Bafa noch deutlicher auf all die nicht ausgeschöpften Potentiale in uns zu verweisen. Es ist eine zunächst recht mühselige Arbeit an Bewegungen, die ich zuvor niemals ausprobiert hatte, um Präsenz und Wirksamkeit in jedem Moment zu erlangen. Aber nach gut einem Jahr Training fühlt sich das Ganze schon viel besser an – beim Üben und danach und es bleibt spannend!

Heinz, 64 Jahre, nicht mehr berufstätig:

Vor ca. 26 Jahren habe ich in einem Familienbildungswerk mit der 24er Taiji-Form angefangen, nach 3 Jahren wechselte ich dann zu Yürgen Oster in die TAO-Akademie, an der in monatlichen Workshops der chinesische Meister Fei Yüliang Qigong, Taijiquan, Baguazhang und Xingyiquan unterrichtete. 1992 lernte ich dann durch Thomas Helmchen, meinen zwischenzeitlichen Lehrer, Friedhelm Tippner kennen, in dessen Ying Men Schule ich nunmehr lerne und trainiere.

Seit über einem Jahr lerne ich dort nun Liuhe Bafa und stelle immer mehr fest, daß diese Art der Bewegung mir von allen anderen bisher kennengelernten am meisten zusagt. Die Bewegungen sind zwar ziemlich kompliziert, aber ich merkte schon bald, daß mein Körper sich dabei unwillkürlich ganzheitlich bewegt und in der Abfolge der einzelnen Bilder der Form immer mehr innere Dynamik entwickelt. Darüber hinaus wirkt das Liuhe Bafa m.E. auch auf die anderen Kampfkünste, bei mir vorrangig Xingyiquan, welches sich im Rahmen meiner Möglichkeiten dadurch besser entwickelt.

Annette, 46 Jahre, Architektin:

Das Liuhe Bafa beinhaltet für mich eine Erfahrung des endlosen Lernens mit immer neuen Bewegungen und Inhalten. Diese Art der Bewegung hat für mich Zukunft, das Üben der Form ist keine Wiederholung im Sinne von “Drill” und wenn ich mal alle Bilder vom Ablauf auswendig gelernt habe, was ja eine ganze Menge ist und auch viel Zeit erfordert, wird es nicht langweilig, denke ich, weil ich mich hoffentlich dabei verändere.

Thomas, 46 Jahre, Kommunalbeamter:

Seit nunmehr über 23 Jahren beschäftige ich mich mit den chinesischen Kampfkünsten. Als sich mir vor über einem Jahr die Gelegenheit eröffnete mit dem Liuhe Bafa-Unterricht zu beginnen, war ich zuerst etwas skeptisch – die klassischen “Inneren Kampfkünste” sagten mir nur bedingt zu. Was ich jedoch bis heute lernen durfte (ca. 1/6 der Form) begeistert mich zusehends. Zum Beispiel arbeitet man gleichzeitig in verschiedene Richtungen und wechselt dabei auch ständig die Höhe. In den äußeren Bewegungsabläufen sind häufig weitere kleinere Bewegungen, die es erstmal zu entdecken gilt, “eingefaltet” bzw. verborgen. Dies macht manchmal einen Knoten ins Hirn, steigert aber – wenn man es mal verstanden hat – u.a. enorm die Wirksamkeit der Aktionen; ich habe den Eindruck, daß mich Liuhe Bafa dem Verständnis von effektiver Körpermechanik deutlich näher bringt und im positiven Sinne noch Jahre beschäftigen wird.

Iris, 43 Jahre, Künstlerin:

Beim Lernen von Liuhe Bafa ist es wie beim Malen – erwartet man nichts, dann erlebt man die größten Überraschungen. Sehen lernen ist eine wichtige Voraussetzung neben Wissen und Intuition, um seine eigene künstlerische Arbeit weiterentwickeln zu können. Die gleichen Voraussetzungen versuche ich zu benutzen, um Liuhe Bafa zu Lernen.

Nach fünf Monaten Liuhe Bafa-Training stelle ich fest, daß ich mehr gelernt und erfahren habe als in den sechs Jahre zuvor beim Taijiquan in einer anderen Schule. Beim Taijiquan habe ich die Form durch Nachahmung gelernt, wie bei einem Tanz als bloßer Ablauf von Bewegungen. Techniken, die man durch Beobachtung nicht erkennen kann, konnte man dort nicht lernen.

Seitdem ich Liuhe Bafa und Baguazhang trainiere, lerne ich die Techniken zusammen mit den Bewegungen. Ich bin jetzt, nach dieser kurzen Zeit, eher in der Lage festzustellen, ob eine Bewegung stimmt oder nicht. Das macht dann natürlich auch mehr Spaß, wenn man durch effektive Bewegungen festellen kann, daß etwas funktioniert. Das macht neugierig darauf, was es noch zu entdecken gibt.

Natürlich ist mein Körper, der allzuoft sitzen oder stehen muß, noch nicht in der Lage alle Bewegungen richtig zu machen, aber ich freue mich über jeden Teilerfolg, besonders, wenn diese Bewegungen unbewußt im Alltag auftauchen und Abläufe erleichtern. Dadurch stelle ich immer wieder fest, daß mein Körper zu sehr von meinem Kopf gesteuert wird als von seinen Sinnen.

Stefanie, 39 Jahre, Unternehmensberaterin und QM-Trainerin:

Ich trainiere nun seit fast einem Jahr Liuhe Bafa in der Ying Men Schule. Meine Trainingszeit ist montags von 19.30 bis 22.00 Uhr. Jede Woche kämpfe ich mit meinem inneren Schweinehund, der mir zuflüstert “Du must um 5.30 Uhr raus – geh’ lieber früh ins Bett”. Meistens aber verliert er den Kampf und ich mache mich samt Schwert auf den Weg. Und wenn es dann einmal losgeht, kommt wie immer die Begeisterung, aber dies ist nicht der einzige Grund, warum ich mich aufraffe. Vielmehr ist es das Gefühl der Frische und einzigartigen Wahrnehmung des Geistes, die ich nach einem 16 Stunden Tag erstaunlich finde und die mich auch am nächsten Tag noch begleitet. Der Schwertkampf ist mein absoluter Favorit, die fließenden Bewegungen in Verbindung mit der Klinge faszinieren mich. Daher weiß ich, dass ich auch zukünftig meinen Schweinehund besiegen werde und in einer netten Runde meinen Körper neu erleben will.

Und darüber hinaus – seitdem ich Liuhe Bafa lerne, oder besser, es versuche, fällt mir auf, daß mein Körper sich doch wieder eine ganze Ecke geschmeidiger bewegen läßt. Das wirkt sich auch sehr positiv auf meine Rückenprobleme (die typisch deutsche Sitzkrankheit) aus. Meine Schuh-Einlagen, die ich seit über 10 Jahren trage, kann ich auch seitdem immer häufiger weglassen und trainiere auch ohne. Auch wenn ich mir manche Zusammenhänge noch nicht erklären kann, das Ergebnis finde ich klasse!

Karin, 51 Jahre, Alexander-Technik-Lehrerin und Webdesignerin:

Liuhe Bafa gefällt mir ganz ausgezeichnet, die tiefen Prinzipien von Kampf und Bewegung genauso wie die kleinen Geheimnisse. Ich mag die Ganzkörperbeweglichkeit, die im Liuhe Bafa verlangt und gefördert wird, die Bewegungen aus meiner Körpermitte heraus – wie Wasser in seinen unterschiedlichen Aggregatszuständen. Wenn ich mich mit der Form beschäftige, stellt sich Ruhe und Geschmeidigkeit ein. Ich bin mir sicher, dass man den Schülern, die Liuhe Bafa praktizieren, ansehen kann, wie sich ihre Energie und körperliche Präsenz erhöhen.

Nicht ohne Grund bin ich seit 1993 eng mit der Ying Men Schule verbunden. Hier kann ich im wöchentlichen Training und bei Wochenendseminaren beständig weiter lernen – bei einem herausragenden Lehrer.

Iris, 40 Jahre, Tanzpädagogin und Theatermacherin:

In meinen Berufen bin ich darauf angewiesen, meinen Körper, als mein Arbeitsmaterial, ganzheitlich fit und beweglich zu halten. Dabei kommt mir das Liuhe Bafa sehr entgegen. Nicht nur Körperbildung und -wahrnehmung werden geschult, sondern auch Raumrichtungen und -ebenen sowie Rhythmus und Dynamik. Interessant für mich ist dabei, daß in einer einzigen Bewegung mehrere Richtungen, Ebenen etc. beinhaltet sind. Das erweitert mein Bewegungsrepertoire erheblich.

Um in meiner Arbeit eine Handlung oder einen Tanz zu entwickeln, neu zu schöpfen, ist es wichtig, einen Zustand der Neutralität zu erreichen. Dies kann ich durch Üben des Liuhe Bafa beschleunigen und verfeinern (siehe z.B. die 5. äußere Methode).

Die 6 Harmonien des Liuhe Bafa sind wie ein Leitfaden zum Füllen meiner gefundenen Gesten. Hier kann ich Absicht, Energie, Bewußtsein, Atmung und Geist in Verbindung mit meinem Körper trainieren und somit Ausstrahlung und Präsenz auf der Bühne potenzieren. In Körper und Geist beweglich zu sein wie das Wasser ist eigentlich alles, was ich brauche und mag.

Philipp, 29 Jahre, Bierbrauer:

Da ich in meinem Beruf hauptsächlich körperlich arbeite, interessieren mich die inneren Kampfkünste mit ihrem Ziel, sich verschleißfreier zu bewegen und mit weniger Aufwand mehr Wirksamkeit zu erlangen, schon seit einigen Jahren. Als ich dann vor gut einem Jahr die Gelegenheit bekam Liuhe Bafa zu erlernen, war ich zwar zunächst skeptisch, wollte aber dennoch wissen, ob es tatsächlich ein so herausragendes System ist wie oft behauptet wird. Dies fand ich erstaunlich schnell bestätigt. Die Möglichkeiten meinen Körper effektiver einzusetzen, im Training wie im Alltag, haben sich seit dem Beginn des Liuhe Bafa-Trainings deutlich verbessert und es fällt mir wesentlich leichter, Prinzipien anderer innerer Systeme umzusetzen. Hinzu kommt noch die Arbeit mit dem Yi, der Absicht, auf die im Liuhe Bafa großen Wert gelegt wird, die mir einen erstaunlichen Pluspunkt in meinem Umgang mit dem Alltag bringt. Ich denke, daß das Liuhe Bafa, ernsthaft praktiziert, dem Lernenden mehr Freiheit im Denken und Handeln vermitteln kann. Außerdem macht mir diese Art der Bewegung unglaublich viel Spaß, auch wenn es manchmal harte Arbeit ist.

Tina, 30, Kunststudentin:

Nach Xingyiquan und Baguazhang ist Liuhe Bafa nun der dritte Stil, den ich in der Ying Men Schule erlerne. Für mein Empfinden verbindet es die besten Elemente anderer Stile zu einer Melange, die gleichermaßen Körper und Geist fördert: Den Körper durch die Beweglichkeit, die ihm abverlangt, oder, noch richtiger, überhaupt erst wieder ermöglicht wird, durch die Beschäftigung mit den vielen Feinheiten, den subtil angedeuteten Bewegungen, die vielleicht gerade den Reiz dieser wunderschönen Form ausmachen; den Geist durch die Arbeit mit dem Yi, der Absicht, die eine so große Rolle spielt.

Für mich auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung, die meinen Blick für die Details anderer Formen geschärft hat – für Anfänger sicherlich eine Möglichkeit, von Allem das Beste in einer Form zu lernen. Bestimmt nicht einfach, aber lohnenswert!

Kai, 45 Jahre, Unternehmer:

Auch wenn die Bewegungen zunächst sehr ungewohnt waren, sind sie für mich nach einiger Zeit so etwas wie ein vertrauter Ort geworden, an dem ich mich sehr wohl fühle und an dem ich immer mehr neue Dinge entdecke.

Auch lassen sich die Prinzipien, die wir dort lernen, wunderbar in andere Lebensbereiche “mitnehmen”. Egal ob es sich um Bewegungen im üblichen Sinne wie einfaches Gehen bis hin zum Skilaufen oder um mehr geistige oder kommunikative Tätigkeiten während der Arbeit handelt: Die Dinge gewinnen eine neue Qualität!

Ausgelöst durch diese Bewegungen bekommt der Begriff Mühelosigkeit für mich schrittweise eine persönliche Bedeutung.

Abgesehen davon habe ich während der letzten 25 Jahre, in denen ich Erfahrungen mit verschiedenen Kampfkünsten sowie Taiji und Qigong machen durfte, noch keine Bewegungsform erlebt, bei der sich ein so angenehmes Körpergefühl einstellt.

Zugegeben, die Form ist anfangs etwas mühsam und die Wirkung erschließt sich erst schrittweise durch regelmäßiges Üben, aber es lohnt sich, nicht schon am Anfang das Handtuch zu werfen, sondern am Ball zu bleiben.

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