Samstag, 1. Oktober 2011 22:01
Am letzen Wochenende im September (24./25.) wurde eine Idee, die Jochen Wolfgramm, Lehrer und Leiter der Bailung Schule Osnabrück und ich schon seit Monaten geplant hatten, endlich verwirklicht: Ein Seminar, bei dem es darum ging, den SchülerInnen der beiden Schulen die Gelegenheit zu geben, einmal in konzentrierter Form einen Einblick in den Stil bzw. den Unterrichtsaufbau der jeweilig anderen zu bekommen. Das an sich ist nicht unbedingt etwas Neues – ungewöhnlich daran war, daß wir, die Lehrer, unsere Schulen für einen Tag “tauschten”.
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SAMSTAG
Jochen, unterstützt von seinem langjährigen Schüler Marvin, war dann also am Samstag Gastreferent bei uns und stellte primär das Babu Tanglangquan (8 Schritte Gottesdanbeterin Gongfu) vor und gab uns darüber hinaus, als Aufwärmübung, noch eine Kostprobe des Tongbeiquan (siehe hier).
Ich dagegen hatte “frei” und konnte Jochens Unterricht, den er mit interessanten Hintergrundinformationen, praktischen Vorführungen und unterhaltsamen Anekdoten angenehm auflockerte, entspannt verfolgen sowie einige Fotos schießen.
Wie schon oben erwähnt, begann Jochen nach dem Vorstellungsteil mit 4 Grundübungen aus dem Tongbeiquan – für die meisten von uns eine völlig neue Erfahrung. Als alle auf “Betriebstemperatur” waren, ging es weiter mit Ständelaufen und Basics aus dem Babu Tanglang, immer wieder erläuternd unterstützt durch anwendungsbezogene Partnerübungen, die Jochen, assistiert von Marvin, eindrücklich demonstrierte. Zum Abschluß des Seminars unterrichtete Jochen die Qi Shou (7 Hände) – eine Basishandform aus dem Babu Tanglangquan – die er uns vom Ablauf sowie von den Anwendungen beibrachte. Zusammenfassend möchte ich sagen, daß ich Jochens Art, den Unterricht zu gestalten, sehr interessant und abwechslungsreich empfand: Er verfügt nicht nur über profunde Kenntnisse im Gongfu, sondern auch über eine gehörige Portion augenzwinkernden Humors mit einem Schuß Selbstironie – eine Eigenschaft, die ich sehr schätze; darüber hinaus ist er sehr offen für alles Neue.
Ein gemeinsames Essen – wir ließen uns leckere gebratene Nudeln von einem kleinen, aber feinen chinesischen Imbiß aus Norf schmecken – rundete den Samstag ab und wir hatten während der Mahlzeit nochmals Gelegenheit, Fragen an Jochen und Marvin zu stellen. Als Überraschungsgast erschien noch Christian Kubiak aus Herne, der sich zu unserer lockeren Runde gesellte.
Bevor ich jetzt zu meinen Erlebnissen als Gastreferent in Jochens Schule bzw. zum Fazit des Wochenendes komme, möchte ich erst noch einigen unserer TeilnehmerInnen des Seminars Raum geben, ihre Eindrücke zu schildern.
Christian:
Das Babu Tanglang Seminar hat sich als sehr lehrreich, anspruchsvoll und spannend herausgestellt. In 6 schweißtreibenden Stunden haben wir ein mir neues Aufwärmtraining, eine Einführung in die stilüblichen Stände sowie eine komplette (kurze) Form inklusive der daraus resultierenden Anwendungen kennenlernen und ausprobieren dürfen.
Dies wurde uns auf hohem Niveau anschaulich demonstriert sowie die Prinzipien und Techniken nachvollziehbar erklärt und mit interessanten Hintergrundinfos vermittelt, wobei auch der Humor nicht zu kurz kam.
Der Hauptaugenmerk lag insbesondere darin, das Gezeigte alleine und in Partnerübungen auszuprobieren. Das hat für meinen Teil besser geklappt als befürchtet und so war ich am Ende des Seminars erschöpft, aber happy. Mein Dank geht an Jochen Wolfgramm für seine freundliche und gelassene Art und dafür, daß er uns an seinen “geheimen” Techniken hat teilhaben lassen, an Friedhelm, der das Seminar in der Ying Men Schule ermöglicht hat und last but not least an Jochens Assistenten Marvin, der mit Engelsgeduld das frisch Erlernte an sich ausprobieren ließ.
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Sabine K.:
Das Seminar zu der mir bis dahin völlig unbekannten Tang Lang Form war so gestaltet, daß sich tatsächlich ein umfangreicher Überblick über die Form bot.
Was wir selber aus Zeitmangel nicht üben konnte, hat Jochen Wolfgramm mit seinem Schüler eindrücklich vorgeführt. Das Zerlegen der von uns erlernten Teilform in die einzelnen Schritte, die gleich wieder zur direkten Anwendung in Partnerübungen führten, fand ich sehr anschaulich. Außerdem hat es natürlich Spaß gemacht.
Mit einem Augenzwinkern stellte Jochen auch die historischen Hintergründe seiner Kampfkunst vor. Besonders gut fand ich die Möglichkeit, nach dem straffen Trainingsprogramm Fragen stellen zu können. Diese sind alle, teilweise auch wieder durch Vorführung einer Form, beantwortet worden.
Das “warm up” hat mich ehrlicherweise völlig geschafft und mir ist ein guter Muskelkater an einer mir bislang noch nicht begegneten Stelle übrig geblieben. Ansonsten finde ich es immer wieder interessant, die Vielschichtigkeit des sogenannten “Kung Fu” kennenzulernen. Dies hilft auch, die Form, die man selber trainiert, mal aus einem völlig anderen Winkel zu betrachten.
Schön war auch der Abschluß bei dem wirklich vorzüglichen chinesischem Essen (natürlich sehr passend zum kulturellen Ursprung unserer Kampfkünste).
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Daniel:
Mir hat das Seminar sehr gut gefallen. Ich habe viele Übungen in Verbindung mit Deinen Übungen aus unserem Unterricht gebracht, da ich denke, daß es die gleichen Prinzipien beinhaltet.
Der Aufbau des Seminars war echt sehr gut gelungen und die Zeit verging wirklich wie im Flug. Die Form habe ich zu Hause für mich mal auf Video aufgenommen, so daß ich sie gegebenenfalls üben kann. Ich fand die Form kurz und knackig und zum Üben der Prinzipien meiner Meinung nach echt gut.
Die Rückmeldung habe ich Jochen und Marvin aber auch schon gegeben. Der einzige Nachteil war, daß ich hinterher so kaputt war und noch nicht mal mehr reden wollte oder konnte. Trotzdem fand ich auch das gemeinsame Essen zum Abschluss sehr schön.
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Magda:
Ich fand das Seminar gut, weil ich viele neue Ideen und Eindrücke gewinnen konnte. Besonders hat mir gefallen, daß wir die Form und direkte Anwendungen dazu geübt haben. Außerdem fand ich, daß es wie immer eine gute Gruppe und die Stimmung auch sehr schön war.
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Martina:
Ich finde den Unterricht mit unterschiedlichen Lehrern immer wieder spannend und raumgebend für neue Impulse der inneren Kampfstile und wenn das Seminar dann noch so schön anwendungsorientiert ist sowie sehr gut unterrichtet, dann macht das auch noch richtig Spaß.
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Oliver:
Mir hat der Samstag gut gefallen. Unser Gastdozent Jochen transportierte seine Begeisterung für seinen Stil gut rüber und er hat eine erfrischend offene Einstellung gegenüber anderen Kampfkünsten. Er hat die richtige Mischung zwischen Informationen zu seinem Stil und praktischer Anwendung der von ihm vorgestellten Techniken gefunden.
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Bettina:
Es ist ja meistens spannend, über den Tellerrand zu gucken. In diesem Sinne hatte ich mich auf das Seminar mit dem Gastlehrer Jochen Wolfgramm in der Ying Men Schule richtig gefreut. Jochen verstand es dann auch außerordentlich gut, die Zeit für die verschiedenen Aspekte seines Trainings zu nutzen. Von Aufwärmübungen und einer gelungenen theoretischen Einführung zum Babu Tang Lang über konkrete Anwendungen und interessanten Partnerübungen bis zur Vermittlung einer speziell ausgewählten Form – es wurde nicht eine Sekunde langweilig und für alles war ausreichend Platz und Zeit. So entstand eine unverkrampfte und dabei immer konzentrierte Atmosphäre, in der ich nicht nur Vorgegebenes lernen konnte, sondern auch Raum hatte, das Neue auszuprobieren. Ein sehr intensiver Tag, an dessen Ende ich mich auch durch die abschließende gemeinsame Mahlzeit so richtig gestärkt fühlte.
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Patrick:
Der “Blick über den Zaun” hat mir sehr gut gefallen. Durch die Möglichkeit, sich einmal in komprimierter Form mit einem fremden Stil zu befassen, ergab sich für mich die Situation, meine eigenen Fähigkeiten zu hinterfragen und von einem anderen Standpunkt zu betrachten.
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Anja:
Hmm, mir fällt es etwas schwer, das in Worte zu fassen.
Ich kann nur sagen, dass ich es beeindruckend fand, wie viele Prinzipien sich stilübergreifend wiederfinden; nicht nur, weil ich auch einen Mantis-Stil praktiziere – über die Gemeinsamkeiten freut man sich, von den Dingen, die anders gemacht werden, kann man profitieren. Diese Art von Austausch ist viel zu selten!
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Thomas:
Das Tang Lang Seminar am vergangenen Samstag war mal wieder außergewöhnlich klasse.
Nach dem ich über 20 Jahre einen anderen Tang Lang Stil bei Dir lernen durfte, war ich ziemlich gespannt auf diesen ähnlichen Stil. Meine Erwartungen wurden absolut erfüllt. Ich konnte eine Menge Parallelen zu meinem “alten” Stil finden; es machte richtig Spaß alte Bewegungsabläufe wieder zu entdecken plus neue zu erleben, was u.a. auch an den Elementen des Tongbei gelegen haben dürfte.
Jochen Wolfgramm ist ein sehr guter und sympathischer Lehrer, der seinen Stil hervorragend vermitteln konnte. Gleichzeitig war er offen für Fragen und motivierte die Teilnehmer dazu, ihre eigenen Erfahrungen in die Bewegungen einfließen zu lassen. Es war – mal wieder – ein rundum gelungenes Seminar.
Es ist nur schade, daß Osnabrück nicht um die Ecke liegt, ansonsten würde man sich sicherlich öfter wiedersehen.
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Dorothee:
In kompakten 6 Stunden habe ich Einblicke in einen interessanten Stil erhalten, etwas von dessen “inneren” Qualitäten erfahren und wirkungsvolle Trainingsmethoden kennen gelernt. Dabei zeigte sich Jochen Wolfgramm als Lehrer, dem es nicht darum ging, seinen Stil als ultimativen zu verkaufen, sondern Prinzipien vorzustellen, die wir zunächst einmal kennen lernen und mit denen wir experimentierten sollten. Er begrüßte es ausdrücklich, daß wir die Übungen und Techniken mit eigenen Erfahrungen verknüpften und für uns passend machten – eine erfrischend offene Haltung, durch die ein ernsthafter Austausch möglich war.
Danke, Jochen und Marvin!
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Sabine G.:
Dieses Seminar hat mich sehr begeistert. Es hat einfach Spaß gemacht, so anwendungsbezogen eine Form zu erlernen und auch einmal eine andere Herangehens- und Sichtweise kennenzulernen. Schon die Aufwärmübungen – insbesondere das “Schultergelenk massieren” und das Ständelaufen – waren eine kleine Herausforderung, die mich auch am nächsten Tag noch an das Seminar erinnert hat. Interessant war, mit all den netten Mitstreitern das Gelernte auszuprobieren und mal wieder zu sehen, daß das richtige Distanzgefühl sich erst entwickelt, wenn man sich auf einen menschlichen Partner einstellen muß. Die anschließende Gesprächsrunde mit Abendessen war ein schöner Ausklang. Es fehlte von der Stimmung her nur das Lagerfeuer
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Ich würde mich wirklich sehr über ein weiterführendes Seminar freuen. Danke an Jochen und Marvin für die vielen theoretischen und handfesten neuen Erkenntnisse! Und danke an Friedhelm für die Organisation!
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SONNTAG
Nach einer problemlosen Autofahrt kamen Barbara und ich Osnabrück an – Jochen empfing uns gastfreundlich mit einer Tasse Kaffee und Plätzchen. Die Zeit bis zum Seminarbeginn verbrachten wir mit interessanten Gesprächen und entdeckten erneut, daß wir in vielen Punkten auf gleicher Wellenlänge waren. Indessen trudelten nach und nach die SchülerInnen ein und dann ging es los.
Ich will mich jetzt nicht in Details verlieren, wie mein Unterricht verlaufen ist – der/die geneigte LeserIn mag sich hier selber ein Bild machen. Aber ich möchte betonen, daß mir die Stunden in der Bailung-Schule wie im Fluge vergangen sind – die SeminarteilnehmerInnen waren durch die Bank motiviert, engagiert und interessiert, ein für sie vollkommen neues System kennen zu lernen und legten sich mit Begeisterung ins Zeug. Ich muß allen BailungerInnen ein Kompliment machen: Ihr wart alle wirklich voll bei der Sache und es hat mir mehr als nur große Freude bereitet, Euch an das Liuhe Bafa heran zu führen.
Wie am Samstag saßen wir hinterher in netter Runde zusammen und aßen eine Kleinigkeit, dabei gab es eine Menge Fragen, Antworten und Lachen; als wir schließlich aufbrechen mußten, fuhren wir mit dem guten Gefühl, mit sehr netten Menschen einen wirklich schönen Tag verbracht zu haben.
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FAZIT
Es ist schon verwunderlich, daß selbst heutzutage nicht alle Gongfu-Lehrer so wie Jochen bzw. wenige andere mir bekannte Lehrer diese offene Einstellung zu anderen Schulen und Stilen pflegen. Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert, die Zeit der Geheimniskrämerei, die vielleicht im alten China noch angebracht war, ist vorbei – “über den Zaun” zu blicken ist ein Konzept, an dem sich meiner Meinung nach viel mehr Lehrer, Schulen und Stile beteiligen sollten. Denn letztendlich gibt es dabei nur Gewinner, es profitieren alle Beteiligten: Etwas Neuem, Unbekannten zu begegnen erweitert den Wissenshorizont; etwas dazu zu lernen kann niemals verkehrt sein …
Liebe Grüße,
Friedhelm
Und hier nun endlich die versprochenen Bilder – viel Spaß!

Unser Gastreferent Jochen Wolfgramm

Einführungsvortrag über Historie und Prinzipien

Aufwärmtraining aus dem Tongbeiquan - "die Schultern massieren"

Marvin zeigt, wie's richtig gemacht wird

Ständelaufen und Basistechniken

Erklärende Vorführung zu den Basics

Kleine Korrekturen

Und immer wieder Demonstrationen zum Hintergrund der Bewegungen

Rasant!

Eine typische Mantis-Technik

Blitzschnell und wirksam sind die Techniken des Babu Tanglangquan

Die ersten Bewegungen aus der Qi Shou (7 Hände) Basisform